Die Kanzelabkündigung von Bischöfin Dr. Hofmann

„«Ist mir doch egal» – das ist ein trauriger Satz. Er bedeutet: Lasst mich in Ruhe, es interessiert
mich nicht. Er kann ein Zeichen dafür sein, dass Menschen überfordert, übermüdet oder tief verletzt sind.

Leidenschaft und Anteilnahme sind erloschen, Träume zerplatzt.

Für eine Beziehung ist dieser Satz tödlich. Er beschreibt ihr Ende.

Und heißt es gar: Du bist mir egal – dann ist die Liebe zu Ende.

Auch der Glauben kann zu Ende gehen. Auch der Glaube kann resignieren und sagen: Ist
mir egal. Gott ist mir egal. Meine Nächsten sind mir egal. Ich bin mir egal.

Auch im Glauben können wir müde werden, wenn unsere Träume von Frieden und Gerechtigkeit an der Härte und Kälte der Welt zerbrechen. Wir sehen keine blühenden Landschaften mehr, wie sehen keine bunte Gesellschaft mehr, in der jeder Platz hat, wir sehen keine Wege mehr, um Streit und Auseinandersetzung zu beenden und Frieden zu stiften.

Darum spricht Gott uns immer wieder an. Wir sind ihm nicht egal. Wir liegen ihm am Herzen. Er liebt uns auch, wenn wir müde sind und gefangen in unseren Sorgen. Gerade dann ruft er uns zu: «Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erfrischen!»

Der Buß- und Bettag ist ein Tag des Innehaltens und der Besinnung. Vor Gott können wir ehrlich sein, auch mit unseren Zweifeln und Ängsten, unserer Müdigkeit und unserer Resignation. Er hört uns. Und das ist kein Traum. Das ist ein Anfang für neue Träume: Dein Reich komme!“